Bayern: Keltische Frauen an der Spitze?

Archäologen haben im Ingolstädter Ortsteil Seehof keltische Gräber aus der Früh- bzw. Mittel-Latène-Zeit (um 250 v. Chr.) untersucht. Das besondere daran; vor allem die als Frauen-Gräber eingestuften Bestattungen stechen durch auffällig reiche Beigaben hervor. Zudem fragt man sich, ob die Anlage der Siedlung noch älter ist als das Oppidum von Manching.

Zwölf Kelten fanden hier vor etwa 2300 Jahren, also am Übergang zwischen Früh- und Mittellatènezeit ihre letzte Ruhe. In Süddeutschland ist eine solche Grabgruppe eher selten. Besonders spannend ist auch, dass diese Grabstätte besonders durch seine reichen Beigaben heraussticht.

Genaugenommen handelt es sich dabei um elf Bestattungen und um ein einzeln liegendes Grab. Vermutlich lebten diese Menschen am Ufer eines in der Nähe befindlichen Baches. Dort hat man auch die Reste ihrer Holzbauten gefunden.

Unter den Bestatteten befinden sich erwachsene Männer, Frauen und Kinder. Sie wurden auf dem Rücken liegend bestattet, mit dem Kopf nach Norden. Sie lagen in Baumsärgen in tiefen Gruben.

Doch es gibt ein Grab, welches vom typischen Bestattungsritus, der sogenannten Flachgräber der Frühlatènezeit, abweicht. Hier wurden die Knochen verbrannt und in einer kleinen Grube beigesetzt. Eine Bestattungsform die sich jedoch erst in der der Mittellatènezeit ab etwa 250 vor unserer Zeit durchgesetzt hat.

Auffällig ist auch, dass es speziell in den Frauengräbern viele Beigaben gegeben hat. In diesen Frauengräbern fand man unter anderem bis zu sieben Bronzefibeln, mehrere Armringe aus Bronze und Kaustobiolith, einem Gestein aus Faulschlamm oder Kohle, massive verzierte Fußringe aus Bronze, verschiedenste Gürtelketten aus zahlreichen Bronze- und Eisenteilen, Glasperlen, Bernsteinperlen, ein goldener Fingerring, feine Keramikgefäße und Tierknochen als -Speisebeigabe, darunter ganze Schweineschädel.

Darüber hinaus fand man auch Reste der Kleidung. Es handelt sich hierbei um pflanzliche Fasern von gewebtem Textil und eventuell Leder. Die Kinder und Männer waren hingegen schlichter mit Eisenfibeln, Eisenringen und Bronzearmringen ausgestattet. Interessant ist auch das Fehlen von Waffen, die zwar in den Gräbern dieser Zeit generell selten sind, sich aber gelegentlich in ähnlichen kleinen Friedhöfen finden.

Aufgrund dieser Funde fragt man sich jetzt, ob es sich bei den Kelten von Seehof, die noch vor Gründung des nahe gelegenen Oppidums Manching lebten, um eine Familie einer sozialen Oberschicht handelt, in deren Gemeinschaft Frauen an der Spitze der sozialen Pyramide gestanden haben.