Waldviertler Blondvieh, dass keltische Rind

Mit der Sesshaftwerdung des Menschen, hat die Haltung von Haustieren sehr stark an Bedeutung gewonnen, da sich die Menschen von der Jagd unabhängig machen wollten. Mit großem Erfolg, denn die Haustiere lieferten den Menschen Fleisch, Milch und Eier. Schon damals zählte zu den wichtigsten Haustieren das Rind. Als Stammvater der Hausrinder wird oft der Ur-/Auerochse genannt. Den frühesten Beleg für Hausrinder gibt es aus Griechenland.

Im Waldviertel entstanden die ersten bäuerlichen Siedlungen bereits in der Jungsteinzeit. In der Bronzezeit wurde das Hochland nördlich der Donau, vermutlich zur Weidewirtschaft genutzt. Die gezielte Weidewirtschaft im Waldviertel setzte in etwa ab dem 7. Jahrhundert unserer Zeit ein. Seit dieser Zeit wurde die alpine Weidewirtschaft stetig weiterentwickelt. Zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert unserer Zeit führte dann der steigende Bedarf an Grund und Boden zur Entstehung von ganzjährig bewohnten Siedlungen auch in höheren Gebieten.

Seit dem das Waldviertel besiedelt worden ist, wurden im Waldviertel bereits die Vorgänger des Waldviertler Blondviehs gehalten. Allerdings hauptsächlich als Arbeits- und Zugtiere. Zu den ältesten Rinderarten im Waldviertel gehört also das sogenannte Blondvieh. Diese Rinder besitzen einen schmalen Körperbau, eine durchschnittliche Bemuskelung und liefern eine hohe Fleischqualität. Die Farbe der Tiere war meist hellrot bis semmelblond mit fleischfarbenem Flotzmaul und gelbgrauen Hörnern und Klauen.

Das Blondvieh im Waldviertel entstand aus der Vermischung aus des keltischen Rindes mit dem Frankenvieh und regelmäßiger Einkreuzung von Mürztaler und Mariahofer. Das Waldviertler Blondvieh gehört zu den Gelbviehschlägen und ist weiters über die Mariahoferrasse mit dem Kärntner Blondvieh etwas enger verwandt.

Bis in die 1960er Jahre war das Waldviertler Blondvieh in Niederösterreich auf allen Weiden zu finden. Doch die Zahl war seither stark Rückläufig. Waren es im Jahre 1954 noch über 170.000, so hat es dann im Jahre 1982 nur noch 23 Kühe und drei Stiere standen in den heimischen Ställen gegeben. Im Jahr 2007 wurden dann im Waldviertel bereits wieder 750 Zuchttiere gehalten, damit ist Blondvieh die zweitwichtigste Mutterkuhrasse in Niederösterreich. Weiters wird das Waldviertler Blondvieh auch in Oberösterreich, in der Steiermark sowie in Vorarlberg gezüchtet. Zurzeit gibt es in ganz Österreich etwa 1.100 Tiere. Aktuell gibt es wieder vier Blondvieh-Züchter. Neben Ab Hof Verkauf wird das Blondvieh auch über den Waldviertler Biofleischer Roman Schober veredelt und vertrieben (u.a. bei Merkur am Hohen Markt).

Auch heute noch findet das Fleisch traditionelle Verwendung in Gerichten wie Tafelspitz mit Semmelkren (besonders für Hochzeitsessen), Zwiebelrostbraten (alt-bäuerliches Sonntagsessen), Kesselgulasch (Rindsgulasch als Mitternachtsessen bei Bällen und Familienfesten), Kalbsschnitzel (Vom Milchkalb aus der Mutterkuhhaltung mit einem Kipfler- Erdäpfelsalat).

Damit in Österreich die Sorten- & Artenvielfalt von Nutzpflanzen, Nutztieren aber auch landwirtschaftlichem Handwerk erhalten bleibt, wurde im Jahre 2001 eine Offensive gestartet; ″Slow Food in Österreich“. Slow Food ist eine Non-Profit-Organisation, die in Italien gegründet und 1989 zu einer weltweiten Bewegung mit mittlerweile über 100.000 Mitgliedern in mehr als 150 Ländern wurde. Darüber hinaus werden die Prinzipien von Slow Food in unzähligen, lokalen Lebensmittelgemeinschaften/-bündnissen tagtäglich gelebt.

Slow Food engagiert sich für die Erhaltung und Verbreitung der vielfältigen traditionellen Lebensmittel dieser Erde und den Schutz der Biodiversität. Unter dem Motto “Essen, was wir retten wollen!”, werden in der “Arche des Geschmacks”, einem Projekt der Slow Food Stiftung für Biodiversität, fast vergessene traditionelle und vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten und Nutztierrassen sowie nahezu in Vergessenheit geratenes Lebensmittelhandwerk wiederentdeckt und weltweit dokumentiert. Darunter auch das Waldviertler Blondvieh.

″Die Biodiversität auf den Feldern und in den Küchen verschwindet dramatisch schnell, egal ob Saatgut, alte Nutztierrassen oder Lebensmittelhandwerk“, beklagte sich „Slow Food Wien“-Chefin Barbara van Melle. In Österreich sperren etwa jedes Jahr 60 Bäcker zu. Nun will ″Slow Food in Österreich“ mit der ″Arche des Geschmacks“, diese Vielfalt für die nächsten Generationen schützen und bewahren.