Öffentliche Führung Amphitheater Virunum, 5.8.2016, 10 Uhr

Auch heuer besteht wieder die Möglichkeit, im Rahmen einer öffentlichen Führung das Amphitheater Virunum kennenzulernen.

Wir begleiten Sie durch das Amphitheater der römischen Provinzhauptstadt Virunum, in dem einst Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen stattfanden.

Bei unserem Rundgang besichtigen wir unter anderem den unterirdischen Gladiatorengang und eine Kultstätte der Göttin Nemesis.

Nemesis (griechisch Νέμεσις „Zuteilung (des Gebührenden)“) ist in der griechischen Mythologie die Göttin des „gerechten Zorns“, auch: „ausgleichenden Gerechtigkeit“. Sie wurde dadurch ebenfalls zur Rachegottheit.

Ihre Begleiterin ist die Göttin Aidos („Scham“). Nemesis bestraft vor allem die menschliche Selbstüberschätzung (siehe auch Hybris) und die Missachtung von Themis, des göttlichen Rechts und der Sittlichkeit.

Unter Nemesis wird in der Regel heute ein ewiger Gegenspieler verstanden, ein Erzrivale, eine Art persönlicher Todesengel bzw. Todfeind oder sogar ein nicht personifizierter Todbringer beziehungsweise tödliche Bedrohung. Dies ist vor allem auf eine falsche oder vielmehr zumeist irreführende Darstellung in der Populärkultur des ausgehenden 20. Jahrhunderts zurückzuführen. Die Aussage „Ich bin deine Nemesis.“ wird ohne das Hintergrundwissen als „Ich bin dein Untergang.“ interpretiert statt als „Du bekommst, was du verdienst.“.

Amphitheater Virunum – Öffentliche Führung – Freitag, 5.8.2016, 10 Uhr

ANMELDUNG erbeten!
T +43 (0)664 80536 30547 oder +43 (0)664 620 26 62
oder per Email: magdalensberg(at)landesmuseum.ktn.gv.at

Weiterführend: Der Mythos der Nemesis

Sie ist eine Tochter der Nyx („Nacht“), entweder nur aus dieser geboren, oder die Tochter der Nyx und des Erebos, bzw. Tochter des Okeanos.

Zeus paarte sich mit Nemesis in der Gestalt eines Schwans, nachdem sie zunächst aus Scham und gerechtem Zorn vor seinen Nachstellungen geflüchtet war. Auf ihrer Flucht über das Meer verwandelte sie sich in einen Fisch, am Rand der Erde angelangt, schließlich in eine Ente oder Gans, mit der Zeus als Schwan die Helena zeugte, um deretwillen schließlich der Trojanische Krieg geführt wurde.

In einer anderen Version der Geschichte spielt Aphrodite die Nemesis Zeus zu, indem sie sich als Adler auf den Schwan stürzt, der sich in den Schoß der Nemesis „flüchten“ kann. In beiden Erzählungen wird das Ei zu Leda gebracht, die Helena aufzieht – wenngleich sie nicht selbst die Mutter Helenas ist. Schwan und Adler wurden zu den entsprechenden Sternbildern.

In Ovids Metamorphosen bestraft sie den Narkissos, weil dieser die Nymphe Echo und andere durch seine Unerbittlichkeit zugrunde gerichtet hat.

Ihre Attribute sind mannigfach. Unter anderem hält sie einen Zweig vom Apfelbaum in der Hand und wird von einem Greif begleitet. Wie die Erinys oder Furien kann auch sie in der Mehrzahl (Nemeseis) angerufen werden. Zwei Nemeseis wurden in Smyrna verehrt, die bei dem dortigen Heiligtum Alexander dem Großen im Traum erschienen, als er erschöpft von der Jagd unter einer Platane schlief: Sie forderten ihn zur Neugründung der Stadt Smyrna auf, wo sich ihre älteste Kultstätte befand. Das Orakel des Apollon zu Klaros bestätigte den Auftrag.

In Aischylos’ Der gefesselte Prometheus heißt Nemesis auch Adrasteia („die Unentfliehbare“), in Ovids Metamorphosen Rhamnusia nach ihrem Heiligtum mit dem berühmten Kultbild in Rhamnous.

Dass im Unterschied zum modernen Verständnis die Göttin Nemesis mehr Richterin als Rächerin ist, macht der Orphische Hymnos „An Nemesis“ deutlich:

Ich rufe Dich, Nemesis!
Höchste!
Göttlich waltende Königin!
Allsehende, Du überschaust
Der vielstämmigen Sterblichen Leben.
Ewige, Heilige, Deine Freude
Sind allein die Gerechten.
Aber Du hassest der Rede Glast,
Den bunt schillernden, immer wankenden,
Den die Menschen scheuen,
die dem drückenden Joch
Ihren Nacken gebeugt.
Aller Menschen Meinung kennst Du,
Und nimmer entzieht sich Dir die Seele
Hochmütig und stolz
Auf den verschwommenen Schwall der Worte.
In alles schaust Du hinein,
Allem lauschend, alles entscheidend.
Dein ist der Menschen Gericht.
[…]