Keltische Identität

Die Frage bei der Sache mit der Identität ist: „Mit was oder mit wem identifiziert man sich?“ Als im 19. und 20. Jahrhundert der Prozess der „Nationenbildung“ immer weiter fortgeschritten war, waren einhergehend damit auch viele der neuen Nationen auf der Suche nach einer eigenen Identität. Die Voraussetzungen zur „Nationenbildung“ haben sich ja schon im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts herauskristallisiert. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelten sich dann, geprägt vom Nationalismus in Europa, eine Reihe von Nationalstaaten.

Als Bindemittel für den nationalen Zusammenhalt und um das nationale Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln bzw. zu festigen, mussten sozusagen die alten Völker Europas herhalten. Frankreich hatte ja schon seit der großen Revolution die Gallier als ursprüngliches Stammesvolk auserkoren. In Belgien gab es zahlreiche politisch motivierte Versuche, ein „flämisches“ oder „wallonisches“ Volk in der früheren Geschichte auszumachen. Die Schweizer erwählten die Helvetier, die Schweden entschieden sich für die Wikinger und die Deutschen beriefen sich auf die Germanen. In Österreich setzte sich lange Zeit der Irrglaube durch, dass die ÖsterreicherInnen auch von den Germanen abstammen würden. Doch dies trifft genetisch und pauschalisiert betrachtet weder auf die deutsche, noch auf die österreichische Bevölkerung zu.

Laut modernsten genetischen Analysen haben 45 Prozent der deutschen Bevölkerung mütterlicherseits eine keltische Abstammung. Überträgt man nun die genetischen Erkenntnisse von Deutschland auf Österreich, so ergibt sich das Bild, dass in Österreich der prozentuale Anteil der Kelten, im Verglich zur Gesamtbevölkerung, noch etwas höher sein müsste als es in Deutschland der Fall ist. Denn die genetischen Hauptgruppen in Österreich sind die R1a und R1b Gruppen, auch bekannt als die Keltengene.

Einer der auf diesen Irrtum schon vor Jahrzehnten aufmerksam gemacht hat, war der langjährige Bundeskanzler, Dr. Bruno Kreisky, (von 1970 bis 1983 Bundeskanzler der Republik Österreich). Zu einem Journalisten sagte er einmal: „Lieber Journalist, lernen Sie Geschichte.“ Im Zusammenhang mit den Kelten stellte er die Frage: “Warum glauben die Österreicher von Germanen abzustammen?“ Er beantwortete die Frage in seinem nächsten Satz: „Sie könnten genauso von den Kelten abstammen.“  Zu einer anderen Gelegenheit stellte Kreisky fest: „Wir sind alle Kelten.“ Damit meinte er natürlich die österreichische Stammbevölkerung.

Doch auch heute noch versucht man sich politisch der Kelten zu bedienen. So sagte der französische Expräsident Nicolas Sarkozy, in Bezug auf die Migration, im September 2016, folgendes: „Wer Franzose wird, hat die Gallier und Vercingetorix als Vorfahren.“ – „nos ancêtres les Gaulois“. Darüber hinaus erklärte Sarlozy: „Aber ich liebe Frankreich, ich lerne die Geschichte Frankreichs, ich spreche Französisch, und meine Vorfahren sind die Gallier. Das ist Assimilation. Ich gebe mich nicht mehr mit der Integration zufrieden, die nicht funktioniert, ich verlange die Assimilation.”

Damit reihte sich Sarkozy in eine Tradition ein, die in der Französischen Revolution ihren Anfang genommen hat. Denn im Jahre 1789 bezogen sich die Sansculotten unter anderem auf den gallischen Widerstandskämpfer Vercingetorix. Sie wollten damit einen älteren Geschichtsbezug postulieren, als ihm die Monarchisten hatten. Denn die Monarchisten beriefen sich auf die Franken, die Gallier reichen aber viel weiter zurück als die Franken. So wurde in der Französischen Revolution auch der Ausruf “Unsere gallischen Vorfahren” ein stehender Ausdruck.

Aber auch wenn es um die Europäische Integration geht, werden die Kelten heute gerne als „die ersten Europäer“ herangezogen. Schließlich findet man die Spuren der Kelten von der Atlantikküste Galiciens und den Britischen Inseln im Westen bis Griechenland und die Türkei im Osten. Die keltischen Vorstöße in den Süden, nach Rom oder Delphi, wie ihre Handelsbeziehungen und kulturellen Verbindungen über den Ärmelkanal, über die Pyrenäen und besonders Alpen führten schließlich zu einem bedeutsamen Netz von großen stadtartigen Siedlungen, das weite Teile Europas überzogen hat.

Die „Österreichische Akademie der Wissenschaften“ stellte erst vor einigen Jahren mit einer ihrer Publikationen die Frage: „Die ersten Europäer – die Kelten?“ Diese Frage kann man unserer Meinung nach mit JEIN beantworten.

Wenn man von einem ersten europaweit zusammenhängenden Kulturkreis ausgeht, dann lautet die Antwort sicherlich JA. Auf dieser Ebene war die keltische Kultur der erste zusammenhängende Kulturkreis, der natürlich regionale Eigenheiten beinhaltete, aber sich in seiner größten Ausdehnungsphase über fast über ganz Europa erstreckte. Dazu zählen unter anderem: die Sprachfamilie, das Handwerk, die Kunst, die Traditionen, die Waffen, die Mythen, die Brauchtümer, die Religion bzw. die Weltanschauung usw.

Wenn es jedoch darum geht, dass die einzelnen keltischen Stämme oder Stammesverbände zentralistisch von einem Punkt aus regiert worden sind, dann lautet die Antwort eindeutig und klar NEIN. So ein System wie wir es heute mit der „Europäischen Union“ haben, wo 80 Prozent der nationalen Gesetze der Mitgliederstaaten in Brüssel verabschiedet werden, erinnert vielmehr an das zentralistische römische Reich bzw. römische Staatssystem. Man kann durchaus sagen, das keltische Europa wurde nicht zentralistisch regiert, denn diese Welt funktionierte mit autonomen und eigenständigen Stammesgebieten. Fast ironisch könnte man jedoch sagen, das einzige was die „Europäische Union“ eventuell mit dem keltischen Europa gemeinsam haben könnte, wäre die Zerstrittenheit unter den einzelnen Staaten und Nationen. Denn auch im keltischen Europa waren viele keltische Stämme oder Stammesverbände untereinander zerstritten.

In der gesamt keltischen Geschichte nimmt Österreich jedoch eine spezielle Sonderposition ein, denn auf dem Gebiet des heutigen Österreich, vereinigten sich damals 13 keltische Stämme zu einem Stammesverbund. Sie errichteten unter der Führung der Norici, um etwa 200 bis 180 vor unserer Zeit, das keltische Königreich Norikum (Regnum Noricum). Norikum war das erste Staatengebilde auf dem Boden des heutigen Österreich und das einzige Königreich der Kelten auf dem europäischen Kontinent. Darüber hinaus gibt es in Österreich aber auch außerhalb der Grenzen von Norikum weitere archäologischen Befunde, die auch gesamt keltisch gesehen einzigartig sind und ihresgleichen suchen.

Dieser Reiseführer führt Sie genau zu diesen besonderen archäologischen Funden, Orten, Plätzen und Stätten. Der Autor wünscht Ihnen nun eine aufregende und spannende kulturhistorische Zeitreise in die österreichische Frühgeschichte, in die Zeit der Kelten.

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Dies war ein kleiner Auszug aus dem Buch:

Keltische Siedlungen und Stammesgebiete in Österreich
Erster österreichischer Reiseführer in die Keltenzeit

Zu bestellen ab etwa Mitte 2018 bei: nemeton-eula.org

Umschlagtext

Diese besondere Publikation vom norischen Verlag „Nemeton Eula“, verbindet Archäologie und Kulturgeschichte mit touristischen Aspekten. Denn der Reiseführer führt Sie an viele verschiedene historische Orte und Plätze in ganz Österreich, die mit den antiken Kelten im Zusammenhang stehen. Zahlreiche keltische Stätten und Stammesgebiete werden in dieser Publikation detailliert vorgestellt und beschrieben. Dieser kulturhistorische Reiseführer ist jedoch nicht nur für Touristen von Interesse, sondern auch für alle ÖsterreicherInnen, die sich auf die Spur der Kelten begeben möchten.

Doch dieser Reiseführer nimmt Sie nicht nur mit, auf eine einzigartige Reise in die Zeit der Kelten, sondern fordert Sie auch dazu auf, diese Orte selbst zu erkunden bzw. zu entdecken. So verbinden Sie best möglichst die Vergangenheit mit der Gegenwart.

Abgerundet wird das Angebot des Katalogs damit, dass auch rekonstruierte Keltendörfer und Museen, die besondere keltische Exponate ausstellen, vorgestellt und präsentiert werden. Viel besser kann man Geschichte nicht veranschaulichen und lebendig vermitteln. Denn mit diesem Reiseführer begeben Sie sich mitten in eine aufregende und spannende kulturhistorische Zeitreise in die österreichische Frühgeschichte.