Keltisch oder karolingisch? Die Flechtwerksteine aus dem 9. Jahrhundert

In Kärnten und anderswo in Europa findet man aus dem 9. Jahrhundert unserer Zeit Reliefsteine mit Flechtwerkmustern, die sogenannten “karolingischen Flechtwerksteine”. Doch bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass diese genauso aussehen wie keltische Flechtwerksteine.

Karolinger ist der auf Karl Martell zurückgehende Hausname des Herrschergeschlechts der westgermanischen Franken, das ab 751 im Frankenreich die Königswürde innehatte. Sein berühmtester Vertreter war Karl der Große, von dem die späteren karolingischen Herrscher abstammten. Das Geschlecht der Karolinger beherrschte in unterschiedlichen Konstellationen bis 987 Mitteleuropa und prägte die frühmittelalterliche Welt entscheidend.

Im Folgenden einige “karolingische Flechtwerksteine” aus Kärnten von Anfang des 9. Jahrhunderts unserer Zeit (820 u.Z.).

Knotenmuster sind typisch für die darstellende Kunst des frühen und hohen Mittelalters, besonders in Italien und auf den Britischen Inseln. Sie werden oft als Keltischer Knoten oder keltisches Muster bezeichnet (englisch celtic design oder celtic patterns). Wichtige Beispiele sind das Book of Durrow, das Lindisfarne-Evangelium und das Book of Kells.

Im Folgenden einige keltische Knoten:

Oben: Keltischer Knoten mit zwei Bändern (Schmuckelement auf Grabstele, Glasgow Necropolis)

Unter keltischen Knoten versteht man Bandflechtmuster, die folgenden Voraussetzungen entsprechen:

Flecht-Charakter: Der Bandverlauf erfolgt optisch immer oben herüber und danach wieder unten hindurch. Der Bandverlauf ist endlos: Das Band schließt sich. Manchmal finden sich am Ende der Bänder figürliche Darstellungen.

Zum Vergleich ein spätantiker Flechtwerkstein aus Split, Dalmatien: