Karomuster: Wer hat`s erfunden?

Als Tartan werden die typischen Karomuster (Webmuster) bei Textilien (Stoffen) bezeichnet, die man heute oft und gerne mit Schottland in Zusammenhang bringt. Das für Tartans typische Karomuster (Schottenkaros) entsteht beim Weben durch Verwendung verschiedenfarbiger Fäden. Tartans werden heute vornehmlich für Kilts, Plaids und andere schottische Kleidungsstücke verwendet, die üblicherweise aus Kammgarn gefertigt werden.

Doch was heute die wenigsten Menschen wissen ist, dass das Tartan-Muster seinen Ursprung nicht in Schottland hat. Denn nach Schottland kam das Karomuster erst sehr spät. Denn die ältesten Tartans hat man in China (Hüte für Jade-Figuren) gefunden. Sie wurden auf ca. 3500 vor unserer Zeit datiert.

Archäologisch belegen lassen sich die Karomuster als nächstes im Gebiet des heutigen Österreich. Sie stammen aus Hallstatt, aus der Latène-Zeit, also von 400/390 bis 300 vor unserer Zeit. Die 2000 bis 4000 Latènezeitlichen Gräber in Hallstatt zählen zu den bedeutendsten und reichsten archäologisch historischen Begräbnisplätzen Österreichs. Im Zusammenhang mit dem Karomuster ist das Körpergrab 994 von großem Interesse.

Die Kleidung eines sehr großen liegenden Ringers ist wegen der Beschädigung nur schwer zu beurteilen. Um den Leib trägt der Tote eine breite Schärpe oder einen Gürtel. Zwischen Gürtel und der Wade des auf ihm sitzenden Gegners ist bei genauer Betrachtung ein Karomuster zu erkennen.

Auch auf dem Kleidermuster eines sitzenden Kriegers ist am Ärmel- und Schulterbereich eindeutig ein Karostruktur zu erkennen.

Bei einem gestürzten Krieger zieht sich das Karomuster des Oberkleides bis auf das Beinkleid herab. Der gestreifte Stoff ist bei mehreren Personen bis zur Gürtellinie zu sehen. Es kann sich daher nicht um Wickelgamaschen handeln, sondern um Hosen, wie das von Strabo für die Kelten als typisch berichtet wird.

Die Kleidung eines sehr großen liegenden Ringers ist wegen der Beschädigung leider nur schwer zu beurteilen. Um den Leib trägt er eine breite Schärpe oder einen Gürtel. Zwischen Gürtel und der Wade des auf ihm sitzenden Gegners ist bei genauer Betrachtung ein Karomuster zu erkennen.

Diese Funde belegen für den Schneider und Modemacher aus Villach, Josef Rettl, dass das Karomuster ursprünglich nicht aus Schottland kommt, sondern aus Karantanien. In einem Interview mit der Zeitschrift MONTE sagte er: „Was ich behaupte, basiert auf Grundlagenforschung. Die These ist in der Welt, seit Archäologen bei Ausgrabungen im Salzburger Land und in Kärnten keltische Stoffe gefunden haben – mit Streifen- und Karomuster.“

Dennoch muss man an dieser Stelle festhalten, dass die antiken Kelten keine Röcke mit Karomuster getragen haben, sondern wie die Archäologie bestätigte, waren es Hosen mit Karomuster. Dennoch haben die Tartans und tartanähnliche Muster auch in Schottland seit vielen Jahrhunderten eine lange Tradition. Das älteste Fundstück aus Schottland ist das sogenannte Falkirk Sett aus dem 3. Jahrhundert vor unserer Zeit. Es handelt sich dabei um ein zweifarbig gemustertes Stoffstück, das als Stopfen für ein Tongefäß mit römischen Münzen verwendet wurde.

Das Muster entstand durch Verwendung der Wolle von hellen und dunklen Schafen. Dieses Muster wurde später als „the shepherd’s plaid“ bezeichnet, jedoch lässt sich keine Verbindung mit dem heutigen Clantartan nachweisen. Allerdings enthielt diese Kleidung Hosen, keinen Kilt oder Plaid. Die ältesten nachgewiesenen Tartans sind Regionen (districts) zugeordnet, nicht Clans. Einer davon, der Huntly tartan[1],aus der gleichnamigen Region im Nordosten Schottlands, wurde während des Jakobitenaufstands von 1745 von etlichen Clans getragen, so von den Clans Gordon, Forbes, Munro, MacRae, Ross und Brodie. Auch der legendäre Bonnie Prince Charlie soll eine Variante davon getragen haben.

Fest steht aber auch, dass der (schottische) Kilt mit seinen Karomustern (Tartans) in seiner heutigen Form nicht keltischen Ursprungs ist. Vielmehr geht dieses Design in seiner heutigen Form auf einen englischen Schneider und eine erfundene Tradition des Romantikers Sir Walter Scott zurück.

Ursprünglich waren Tartans und ihre Muster in Schottland vor allem regional verschieden und es war nicht unüblich mehrere Tartans unterschiedlicher Musterung zu tragen. Die eindeutige Zuordnung von bestimmten Tartans zu einzelnen Clans begann erst im 16. Jahrhundert. Das erste offizielle Regiment mit einem Uniform-Tartan wurde 1739 das Black Watch Regiment.

Im Jahr 1746 stellte der Dress Act das Tragen von Tartans für die Einwohner der schottischen Highlands unter Strafe. Dieses Gesetz hatte bis 1782 Bestand und war ein Teil der Versuche der Engländer, die Highland-Kultur zu unterdrücken. Im 19. Jahrhundert kam es zu einem Tartan-Revival, als die schottische Highland-Kultur in der englischen und schottischen Oberschicht in Mode kam.

Der Tartan eines schottischen Clans ist eine spezielle Abfolge von Farben und Farbtönen, die nur von den Mitgliedern des Clans getragen werden dürfen. Obwohl ein Tartan sichtbar die Zugehörigkeit zu einem Clan ausdrückt, ist es nach schottischem Wappenrecht kein Vergehen, den Tartan eines anderen Clans zu tragen. Allgemein akzeptiert ist das Tragen eines Tartans, wenn man verwandtschaftlich, per Adoption oder auch nur namentlich als dem Clan zugehörig gilt.