Fürstensitz-Keltenstadt Sandberg

Nordöstlich des Ortes Roseldorf auf dem Sandberg befand sich die größte derzeit bekannte keltische Zentralsiedlung Österreichs.

Historische Nachforschungen am Ende des 20. Jahrhunderts haben ergeben, dass das Gebiet eine sehr bedeutende archäologische Fundstätte beherbergt. Genauere Untersuchungen mittels geomagnetischer Prospektion haben ergeben, dass sich hier auf einer Fläche von mindestens 25 Hektar – möglicherweise sogar bis zu 50 Hektar – um das 2. Jhdt. v. Chr. die größte bekannte, befestigte stadtähnliche Keltensiedlung (Oppidum) befunden hat.

Das Gebiet war niemals durch spätere Siedlungen überbaut und es gibt hier auch keine Weingärten sondern nur Felder, sodass seit Bekanntwerden der Fundstätte das Gebiet jährlich nach der Ernte den Archäologen für ihre Arbeit zur Verfügung steht. Kommt die Zeit der Aussaat, dann wird der Boden wieder landwirtschaftlich genutzt.

Aufmerksam wurde man auf das Vorhandensein einer Besiedelung aus der Latènezeit durch einen im Jahre 1932 gefundenen Gürtelhaken und weitere zahlreiche Oberflächenfunde. So wurden bisher mehr als 1500 Münzen aus Gold und Silber gefunden, welche die Keltenstadt auf dem Sandberg zur münzreichsten Keltensiedlung und zur ältesten Münzprägestätte Österreichs machen. Diese Münzen wurden sowohl in Roseldorf selbst geprägt, es gibt aber auch zahlreiche „Fremdmünzen“, welche auf umfangreiche und weitreichende Handelsbeziehungen ins Rheinland, nach Bayern, in die Gegend von Prag und in den pannonisch-ungarischen Raum hinweisen. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass man sich damals auch bereits intensiv mit der Fälschung von Münzen befasst hat. Es liegen nämlich auch Münzen vor, die einen Bronzekern aufweisen und nur mit einer dünnen Goldschicht überzogen sind.

Einen Höhepunkt konnten die Archäologen im Jahre 2009 verzeichnen, als man hier das fünfte Heiligtum fand. Dieser Fund stellt eine wahre Sensation in ganz Europa dar, was auch die Bedeutung dieser Keltenstadt unterstreicht. Im August des Jahres 2013 wurde kurz vor dem Ende der jährlichen Grabungsperiode ein 2.300 Jahre altes Skelett gefunden, das zur Gänze erhalten ist. Früher gab es nur einzelne Knochenfunde.

Die Grabungen werden unter der Federführung der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien unter der Projektbezeichnung „Fürstensitz-Keltenstadt Sandberg“ durchgeführt. Während der jährlichen Grabungsperiode gibt es einen „Tag der offenen Tür“ zur Besichtigung der zu Tage geförderten Fundstücke und zur Diskussion mit den Archäologen.

Wer außerhalb der Grabungsperiode auf den Sandberg kommt, der kann sich anhand der vorhandenen Schautafeln und Grenzmarkierungen über das Ausmaß, die Bedeutung und die gewonnenen archäologischen Erkenntnisse informieren.

Die Nachbildung eines keltischen Heiligtums aus Roseldorf ist im Urgeschichtemuseum MAMUZ im Bereich des Schlosses Asparn zu sehen.

DAUER-KELTENAUSSTELLUNG

Die bis zum Frühjahr 2015 im Gemeindeamt von Sitzendorf an der Schmida gezeigte kleine Dauerausstellung über die Forschungsergebnisse der Keltensiedlung am Sandberg bei Roseldorf/Platt ist nach Roseldorf 29, 3714 Roseldorf in den Verkostungsraum der Winzerfamilie Reinhard Zöchmann übersiedelt. Grund dafür ist der Umbau des Gemeindeamtes von Sitzendorf.

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Veronika Holzer: Roseldorf – Interdisziplinäre Forschungen zur größten keltischen Zentralsiedlung Österreichs. Forschungen im Verbund, Sonderreihe Band 102
2009.06.25_Band_102_Schriftenreihe_FU-Ro
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