Die Werkstatt des keltischen Glasmachers wird errichtet!

Die Kelten waren meisterliche Handwerker und wussten schon in Perfektion Schmuck aus Glas herzustellen. Wie sie das gemacht haben, lässt sich künftig im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya erfahren. Vom 28. April bis 1. Mai wird im archäologischen Freigelände des MAMUZ Schloss Asparn/Zaya eine Glasmacherwerkstätte errichtet. Gäste können an diesem Wochenende mit dabei sein, wenn der Ofen Formen annimmt.

Seit Jahren bemühen sich Experimentalarchäologen, die Herstellungstechniken der keltischen Glasmacherkunst durch praktische Versuche zu rekonstruieren und so die Geheimnisse der alten Meister zu ergründen. Unter der Leitung von Gerhard Putzgruber ist es einer Arbeitsgruppe aus Elsarn im Straßertal in Niederösterreich nach 10 Jahren intensiver Arbeit erstmals in Europa gelungen, die Glasperlen und -armreifen der Kelten mit authentischer Technologie nachzubilden.

Archäologen der Universität Wien errichten zusammen mit der Arbeitsgruppe aus Elsarn ein idealisiertes Modell einer keltischen Glasmacherwerkstätte im Maßstab 1:1 im archäologischen Freigelände des MAMUZ Schloss Asparn/Zaya. Dabei werden vor allem Materialien und Werkzeuge eingesetzt, die bereits den Menschen der jüngeren Eisenzeit zur Zeit der Kelten zur Verfügung standen. Der neue Glasofen wird jetzt schrittweise erreichtet und nach der erforderlichen Trocknungszeit von einigen Wochen werden im Sommer 2017 das erste Mal Glasringe und –armreifen in Asparn/Zaya produziert.

Historischer Hintergrund

Schon aus der späteren Bronzezeit, um 1000 v. Chr. sind erste Glasfunde in Mitteleuropa bekannt, wobei es sich vermutlich um Import aus dem mediterranen Raum handelt. In der Hallstattzeit sind bereits lokale Glaswerkstätten im nördlichen Adriaraum bekannt, von dort aus breitete sich das Wissen um die Glasverarbeitung allmählich über ganz Europa aus undbereits in der mittleren Latènezeit (um ca. 300 v. Chr.) gab es Glasproduktionen in zahlreichen keltischen Siedlungen.

Die Produktpalette bestand vor allem aus Wickelglasperlen, die oft mit sogenannten „Schichtaugen“ – mehrfarbigen Punkten – verziert wurden. Die bevorzugten Farben waren dabei gelb oder blau mit weißen oder schwarzen Auflagen. Im Verlauf der jüngeren Eisenzeit kamen auch Glasarmreifen in Mode, deren Herstellung besonders aufwendig war. Auch sie wurden verziert.

Das Glas selbst wurde aus Quarzsand geschmolzen, wobei man den Schmelzpunkt von etwa 1650 Grad durch sogenannte Flussmittel wie Pottasche, Soda oder Blei deutlich herabsetzen konnte. Die Farben erreichte man durch mineralische Zusätze. So wurde z.B. Glas mit Eisenoxyd je nach Ofenatmosphäre braun oder grün, Glas mit Kobaltoxyd wurde blau und Glas mit Manganoxyd wurde violett.

Um die hohen Verarbeitungstemperaturen von bis zu 1300 Grad erreichen zu können, baute man mannshohe Lehmöfen, die über lange Schürhälse befeuert wurden. Archäologische Experimente haben erwiesen, dass man bei der Nutzung von dünn gespaltenen und gut getrockneten Nadelhölzern auf Blasbälge verzichten konnte.

Das archäologische Freigelände im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya ist europaweit bekannt für seinen experimentalarchäologischen Schwerpunkt. Mit der Glasmacherwerkstatt kommt ein weiterer Bereich der experimentellen Archäologie hinzu. Die Glasmacherwerkstatt vollendet neben der Töpferei und der Schmiede das keltische Handwerkerviertel im archäologischen Freigelände.

MAMUZ Schloss Asparn/Zaya
Schlossgasse 1, 2151 Asparn/Zaya