Die vier Zweige des Mabinogi

Das Mabinogion ist eine Sammlung von Erzählungen, die aus mittelalterlichen, walisischen Manuskripten stammen. Diese Texte sind eine der wenigen Quellen, in denen die Worte der antiken Druiden noch deutlich hörbar erklingen.

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Der stoffliche Ursprung des Mabinogion ist Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Diskussion. Auch wenn die Sammlung teilweise frühmittelalterliche historische Ereignisse wiedergibt, basieren zahlreiche Motive wohl auf mündlich überlieferter, vorchristlicher keltischer Mythologie.

Wissenschaftlich interessant ist das Entstehungsdatum der Erzählungen. Lady Charlotte Guest veröffentlichte ab 1838 Übersetzungen von elf walisischen Erzählungen, die sich in den Manuskripten Weißes Buch des Rhydderch und Rotes Buch von Hergest aus dem 14. Jahrhundert finden. Ältere Fragmente dieser Erzählungen haben sich aber auch in Schriften des 13. Jahrhunderts erhalten.

Wäre das Mabinogion älter als Geoffrey von Monmouths Historia Regum Britanniae (1136) oder die Artus-Gedichte des Chrétien de Troyes (zwischen 1170 und 1190), so würde dies neues Licht auf die Entstehung der Artussage werfen. Während Kritiker des 19. Jahrhunderts vermuteten, dass die walisische Version auf der Fassung Chrétiens basiert, so wird heute meist angenommen, dass beide Texte auf eine gemeinsame ältere Quelle zurückgehen. Einigkeit besteht darüber, dass die Erzählungen selbst teilweise deutlich älter sind. Genauere Zuordnungen sind schwer zu treffen, was unter anderem daran liegt, dass die einzelnen Erzählungen offenbar zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind. Nach Argumenten von Patrick Sims-Williams ist nun ein Entstehungszeitraum zwischen 1060 und 1200 plausibel.

Der Name rührt aus einem Missverständnis der ersten englischen Übersetzerin, Lady Charlotte Guest, her: Sie entdeckte in einer Geschichte das walisische Wort mabynogyon und nahm an, es sei der Plural zu mabinogi. Die Bedeutung von mabinogi selbst ist aber ungewiss, obwohl es deutliche Bezüge zum walisischen Wort mab (“Sohn, Junge”) hat. Der US-amerikanische Sprachwissenschaftler Eric P. Hamp geht davon aus, dass mabinogi von der keltischen Gottheit Maponos abgeleitet ist.

Eine Zeit lang haben Literaturhistoriker angenommen, Mabinogion könne vom Wort mabinog herkommen, das einen angehenden Barden bezeichnen soll und mabinogion sei demzufolge der mythologische und genealogische Lehrstoff, den er sich aneignen müsse (so bei John Rhys, Joseph Loth und Alfred Nutt). Tatsächlich dürfte das Wort mabinog eine Erfindung des romantischen Dichters und Literatur„fälschers“ Edward Williams (Iolo Morganwg) gewesen sein. Meid übersetzt mabinogion mit „Jugendtaten [eines Helden]“.

Die Erzählungen – Die vier Zweige des Mabinogi

Das Mabinogion besteht im engeren Sinn aus vier Geschichten, genannt Pedeir Ceinc y Mabinogi („Die vier Zweige des Mabinogi“). Diese Geschichten haben den mythologischsten Charakter aller Erzählungen. Verbindendes Element ist Pryderi, der in allen Geschichten auftaucht, wenn auch nicht als Hauptcharakter.

Pwyll, Prinz von Dyfed (Pwyll Pendefig Dyfed)

Branwen, Tochter des Llyr (Branwen ferch Llyr)

Manawydan, Sohn des Llyr (Manawydan fab Llyr)

Math, Sohn des Mathonwy (Math fab Mathonwy)

Aus walisischen Legenden

Seit der ersten Übersetzung des Mabinogion durch Lady Guest werden sieben weitere Erzählungen mit den Vier Zweigen verbunden. Es handelt sich um vier Geschichten, die Material aus der walisischen Tradition und Legende wiedergeben, unter anderem eine romantische Geschichte über den römischen Kaiser Magnus Maximus.

Der Traum des Macsen Wledig (Breuddwyd Macsen)

Lludd und Llefelys (Cyfranc Lludd a Llefelys)

Culhwch und Olwen (Culhwch ac Olwen)

Der Traum des Rhonabwy (Breuddwyd Rhonabwy)

Die drei Romanzen

Drei weitere Erzählungen unter dem Sammelbegriff Y Tair Rhamant sind walisische Versionen aus der Umgebung der Artussage, die bei Chrétien de Troyes und anderen kontinentalen Artus-Dichtern ebenfalls auftauchen.

[Bei den Y Tair Rhamant handelt es sich] um walisische Bearbeitungen französischer Texte, allerdings vor dem Hintergrund einer eigenständigen Sagentradition, aus der jene schon früher abgezweigt und in der für den Roman typischen Weise verändert worden waren.

Die Frau vom Brunnen (Iarlles y Ffynnawn)

Peredur, Sohn des Efrawg (Peredur fab Efrawg)

Gereint, Sohn des Erbin (Gereint fab Erbin)