Die Lehre der antiken Druiden

Das Druidentum, welches heute als Druidentum „im Umlauf‟ ist, hat absolut nichts mit der antiken Druidenkaste zu tun, denn dieses gibt es seit gut 2000 Jahren in seiner ursprünglichen Form nicht mehr. Das ursprüngliche Druidentum ist zusammen mit dem keltischen Gesellschaftssystem ausgestorben, denn es war untrennbar mit der keltischen Gesellschaftsform verschmolzen.

Darüberhinaus braucht man sich auch keine Illusionen zu machen oder zu diskutieren, es ist ein geschichtliches Faktum, an dem man leider nicht rütteln kann. Das Druidentum ist Geschichte. Jeder Versuch, das Gegenteil zu behaupten, kann daher nur belächelt werden und als hochgradig unseriös eingestuft werden.

Die Druiden erfassten und entwickelten das Wissen des keltischen Zweiges der europäischen Eingeborenentradition. Sie organisierten das traditionelle Wissen, lehrten es in Schulen und erfüllten die Bedürfnisse einer komplexen, wachsenden Gesellschaft. Sie wurden mitsamt der Zeugnisse ihrer Kultur so gründlich ausgelöscht, dass heute niemand mehr behaupten kann, etwas davon in direkter Linie bis zur Gegenwart empfangen zu haben. Obwohl das Umfeld, in dem die Druiden wirkten, komplett verloren ging, ist ihr Wirken hingegen in der frühen irischen und walisischen Literatur umfassend überliefert. So haben durchaus einige Hexen und volkstümliche Überlieferungen bis heute überlebt. Trotz vehementer Verfolgung blieb durch sie einiges vom alten Weg bis in die Gegenwart erhalten. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass volkstümliche Tradition nicht bis zu dieser philosophischen Ebene wie das Druidentum organisiert war und ganz andere soziale Bedürfnisse erfüllen musste.

Heute wird sehr oft behauptet, die moderne Wiccabewegung gehe auf die Überlieferung der Kelten und Druiden zurück, doch das ist schlichtweg falsch. Fakt ist: Die modernen Wiccas berufen sich auf nicht-historische Arbeiten von Schriftstellern wie etwa Sir James Frazer und Margaret Murray. Ebenso wenig fußt sie auf zeremonieller Magie, von eher als koordinierende Praktiker der Gegenwart zu sehende Vorbilder wie Gerald Gardner, als auf die traditionelle europäische „Eingeborenenspiritualität“. Daher unterscheiden sich ihre Rituale und Ansichten grundlegend von dem, was wir als keltische Tradition – organisiert und praktiziert durch die antiken Druiden – sehen. Auch neigen Wiccas dazu, ‚der Göttin‘ und ‚dem Gott‘ zu dienen, während die Druiden einer monistischen bez. pantheistischen Weltanschauung anhingen.

Auch die sogenannten Druidenorden in England, Deutschland, Australien und USA haben nichts mit dem antiken Druidentum zu tun, denn sie sind neuere Erfindungen des 17. Jht. u. Z. Vielmehr sind solche Organisationen aus den Freimaurerlogen heraus entstanden.

Definition moderner Druide

Unserer Auffassung zufolge besteht eine der Hauptaufgaben eines modernen Druiden im 21. Jahrhundert darin, die keltische Kultur mit allen ihren Facetten zu bewahren und zu vermitteln, damit sie auch im 22. Jahrhundert weiterbesteht. Dazu zählen unter anderem die Geschichte der keltischen Kultur, die Weltanschauung, die Reste und Fragmente des alten mündlich überlieferten Druiden-Wissens, die Kunst, die Mythologie, die Literatur, die Geschichten, die Musik, die Symbolik, die Brauchtümer, die Schmuck- und Kleidermode und schließlich auch noch die keltische Sprache(n).

Viele Aspekte, Aufgabenbereiche und Ämter, welche die Druiden in keltischer Zeit inne hatten, gibt es heute jedoch nicht mehr. Dasselbe gilt für die gesellschaftliche Stellung der Druiden zur Zeit der Kelten. Die antiken Druiden waren so mit der keltischen Kultur verbunden und verwoben, wie bereits erwähnt, dass diese zwangsläufig mit der keltischen Kultur verschwanden. Dennoch gibt es eine entscheidende Gemeinsamkeit zwischen den antiken und modernen Druiden. Die Druiden waren damals, genauso wie die Druiden heute, die Bewahrer der keltischen Kultur und die Vermittler der keltischen Weltanschauung.

Die Lehren der Druiden anhand antiker Quelltexte

Da von den Kelten selbst keine schriftlichen Zeugnisse überliefert sind, sind wir auf die antiken griechischen und römischen Quellen angewiesen. Die ersten Berichte über die Kelten finden sich bei den griechischen Historiographen Hekataios von Milet und Herodot im 6./5. Jahrhundert v.u.Z..; weitere wichtige Quellen zu Geschichte und Kultur der Kelten sind antike Autoren wie z.B. Pytheas und Polybios, Livius, Caesar und Strabo. In den griechischen Quellen werden die Kelten Keltoi oder Galatoi genannt, die römischen Schreiber nannten sie Celtae oder Galli.

In der druidischen Lehre gibt es absolut keine Gemeinsamkeiten zu den pythagoreischen, den buddhistischen oder den hinduistischen Vorstellungen über den Reinkarnationszyklus. Jeder Versuch, etwas anderes zu behaupten ist unseriös und zeugt von Unkenntnis über das überlieferte Textmaterial. Die druidische Lehre kann man insofern unmöglich mit dem Buddhistischen auf einen Nenner bringen, da es sich um zwei parallele, aber vollkommen gegensätzliche Konzeptionen handelt.

So ist die freie Handlungsfreiheit der Einzelseele, des einzelnen Individuums, in allen keltischen Geschichten bestätigt. In allen keltischen Geschichten und Mythen wird das individuelle Handeln, der persönliche Weg, die Verantwortlichkeit des einzelnen und damit seine freie Entscheidung und Handlungsfähigkeit hervorgehoben. Der Mensch ist also frei in der Wahl seines Weges und Handelns, frei in seiner Entscheidungsfreiheit und in der Erfüllung seines Schicksals. Das Individuum selbst trifft die Wahl. Das oberste Gesetz der druidischen Lehre ist also das Handeln, und steht somit im krassen Gegensatz zu den Philosophien des Ostens.

Über der druidischen Weltanschauung liegt eine Aura von großer Schönheit und Heiterkeit, sie enthält aber auch den ständigen Appell an das Sein. Wenn das Sein sich selbst schon genügen würde, dann wäre es Leere, und zwar das Vakuum, das verschiedene philosophischen Systeme des Ostens suchen. Die druidische Lehre vertritt aber genau die Gegenposition zu den Theorien des Nicht-Seins, des Nicht-Wollens, der Negation des Lebenswillens. Die druidische Lebensphilosophie, wie sie sich uns darstellt in Erzählungen und Mythen, deutet auf einen leidenschaftlichen, hemmungslosen Lebenswillen hin, welcher nicht einmal durch den Tod unterbrochen werden kann.

Lucanus (39 – 65 u.Z.) wandte sich in seinem Gedicht Pharsalia folgendermaßen an die Druiden:

„Eurer Lehre zufolge gehen die Schatten nicht zu den schweigsamen Sitzen des Erebus und nicht in das bleiche Reich des Dis pater in der Tiefe, sondern der gleiche Geist gebietet den Gliedern in einer anderen Welt (regit idem spiritus artus orbe alio). Wenn das, was ihr singt, richtig ist, so ist der Tod die Mitte eines langen Lebens.“

Setzt man das irdische Leben zu seiner Vorvergangenheit in einer anderen, nicht sichtbaren, doch ebenso wirklichen Welt in Beziehung, in der die Schöpfung kontinuierlich weitergeht, ist dieses Leben nur eine kurze Durchgangsphase. Diese Auffassung entspricht der Vision einer Existenz ohne Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Einer unteilbaren Ganzheit. Das führt uns direkt zur druidischen Geisteshaltung, dem Monismus.

Der Monismus als Grundlage der druidischen Lehre

Die druidische Lehre kennt also keine absolute oder offenbarte Wahrheit, da die Wahrheit lediglich das Resultat eines Urteils ist. So bietet die Weltanschauung der Druiden das einzige uns bekannte Beispiel für einen philosophischen Ansatz, in dem der Monismus konsequent zu Ende gedacht wurde. Doch im Grunde ist der druidische Monismus weder Philosophie noch Religion, sondern die gelebte Todlosigkeit.

„Der Tod ist die Mitte eines langen Lebens“ verkündet uns Lukanus in seiner Pharsalia über die Lehre der Druiden. Dieser Ausspruch scheint generell die Grundlage der geistigen Weltanschauung der Druiden zu sein. Von hier aus lässt sich auch die streng monistische Position begründen, welche in der gesamten keltischen Überlieferung ablesbar ist. Denn diese Denktradition, die sich auf die wissenschaftlichen Grundlagen der Druiden stützt, begegnet uns in allen mythischen, heroischen und folkloristischen Erzählungen Westeuropas.

Diese monistische Geisteshaltung der Druiden hat eine ganz bedeutende Konsequenz: Es gibt keine Trennung von Materie und Geist. In der Lehre der Druiden liegt die Betonung auf der Handlung, denn Handlung ist sichtbar gewordene Energie. Alles ist Energie, die Materie genauso wie der Geist; beide haben ihre spezifischen Aufgaben und Funktionen, und sind untrennbar miteinander verbunden. Der Körper wird in der druidischen Lehre als vorübergehende Erscheinungsform des Geistes betrachtet, der auf diese Weise seine Existenz bestätigt. Der Körper ist sozusagen nur das Fahrzeug, oder der Auswurf des Geistes. Natürlich sind neben dieser Lebensform auch noch andere Formen des Lebens vorstellbar, welche sich auch grundlegend vom menschlichen Leben unterscheiden können. Die Druiden waren deswegen der Meinung, dass in allem Geist enthalten ist, und dass im Universum alles belebt und beseelt ist.

Der Begriff ‚Monismus‘

Die druidische Lehre war und ist keine Religion, sondern eine naturphilosophische Weltanschauung. Die Grundaussage dieser Weltsicht ist der Monismus. Im monistischen Denken gibt es weder einen Anfang noch ein Ende, denn ‚Alpha‘ & ‚Omega‘ sind ein und dasselbe.

Der Monismus ist ein philosophisches Urmotiv und findet sich schon in den ältesten Philosophien Indiens, Chinas, Europas und Griechenlands; er ist Ausdruck des Strebens nach einer einheitlichen Auffassung des Ganzen der Welt. Insofern ist jede Philosophie monistisch.

Der Monismus ist die philosophische Position, wonach sich alle Vorgänge und Phänomene der Welt auf ein einziges Grundprinzip zurückführen lassen. Der Monismus bezieht damit die Gegenposition zum Dualismus und Pluralismus, die zwei oder viele Grundprinzipien annehmen. In der Religion stehen monistische Lehren oft dem Pantheismus oder dem Panentheismus nahe, der eine Immanenz (Gegenwart) des Göttlichen in allen Erscheinungen der Welt sieht.

Die druidische Lehre kennt keine absolute oder offenbarte Wahrheit, da die Wahrheit lediglich das Resultat eines Urteils ist. So bietet die Weltanschauung der Druiden das einzige uns bekannte Beispiel für einen philosophischen Ansatz, in dem der Monismus konsequent zu Ende gedacht wurde.

Monistische Lehren sind mehrfach aus der Geschichte der Menschheit bekannt, der Begriff „Monismus“ wurde allerdings erst am Ende des 19. Jahrhunderts als griechisch-lateinisches Kunstwort (aus gr. monos, dt. „einzig“, „allein“, und -ismus) geprägt.

Ernst Haeckel (1834-1919 u.Z.) entwarf auf naturwissenschaftlicher Grundlage die Weltanschauung des Entwicklungs-Monismus. Kern dieser Richtung ist die volle Einordnung des Menschen in die Natur, ein Atheismus oder ein Natur und Gott gleichsetzender Pantheismus und schließlich der Verzicht auf jeden Offenbarungs- und Wunderglauben.

Wenn auch aus der selben Wortwurzel entsprungen, darf man den Begriff Monismus also nicht mit dem Begriff „Monotheismus“ gleichsetzen, da es sich um zwei grundlegend verschiedene Ansichten handelt. Denn der Begriff „Monotheismus“ bezeichnet Religionen die einen personifizierten allumfassenden Gott kennen, welcher sich jemanden offenbart hat, und diesen als obersten bez. einzigen Gott anerkennen. Einen Monotheismus kennen daher in der Regel nur Offenbarungs- beziehungsweise Buchreligionen.

Die monistische Trinität

Die druidische Weltsicht kennt keine Trennung von Welt und Kosmos, Leben und Tod, oder Diesseits und Jenseits. Das Weltbild der Druiden war, wie bereits erwähnt, nicht polytheistisch, sondern monistisch. Auch wenn das Wort Monismus eine Kreation des 19. Jahrhunderts ist, umschriebt es dennoch sehr gut die Geisteshaltung der keltischen Druiden, auch wenn man hierzu noch die Trinität hinzufügen muss.

Dies bedeutet, dass die Druiden alles, was ist, auf eine einzige Ursache zurückgeführt haben mussten. So kannten die keltischen Druiden auch keine scharfe Grenze zwischen gut und böse, aber vor allem keine strikte Trennung zwischen Geist und Materie.

Doch dieses eine Ursachenprinzip (Monismus ist die Lehre, welche alles auf eine Ursache zurückführt), teilten die Druiden in eine Dreiheit auf, der sogenannten Trinität. Vereinfacht könnt man das Denken der Druiden als „monistische Trinität“ umschreiben.

Die monistische Weltsicht der Druiden lässt sich mit der Annahme, dass der „Tod nur die Mitte eines langen Lebens ist“ begründen. Das war sozusagen die Grundaussage des druidischen Denkens. Darüber hinaus gibt es auch nichts Höheres, also kein göttliches Wesen, das über allem steht und wacht. Denn wenn jemand von der Todlosigkeit seiner Seele bzw. seines Geistes überzeugt ist, dann erfindet er definitiv nichts Göttliches hinzu, warum auch.