Die “friedliche Eroberung des Ostalpenraums” ist ein Widerspruch in sich

In vielen Geschichtsbüchern können wir lesen, dass Noricum im Jahre 15 vor unserer Zeit friedlich in das römische Reich eingegliedert wurde. Doch dies deckt sich nicht ganz mit den archäologischen Befunden.

Die “friedliche Eroberung des Ostalpenraums” sei ein Widerspruch in sich und die Ausgrabungen in Kärnten hätten gezeigt, dass die Romanisierung dieses Gebiets so friedlich gar nicht war, erklärte Paul Gleirscher vom Landesmuseum Kärnten zu den Ausgrabungen auf der Gurina-Siedlung im oberen Gailtal in Kärnten.

Kurz nachdem die Römer über den Plöckenpass aus dem heutigen Italien nach Noricum gekommen sind, wurde die Gurina-Siedlung aus dem Boden gestampft. Sie war war eine regelrechte Reißbrettstadt aus der Okkupationszeit mit einer Befestigungsmauer und einem großen Verwaltungsgebäude, welcher vermutlich auch Sitz eines Statthalters gewesen ist. Fest steht, die Siedlung diente den Römern ab etwa 15 vor unserer Zeit zur Verwaltung der neu besetzten Gebiete (Noricum).

Die Ausgrabungen auf der Gurina haben eindeutig ergeben, dass die Siedlung in der Zeit der Besatzung mit einer Befestigungsmauer geschützt war. Zudem wurden zahlreiche römische Kriegsgegenstände gefunden, welche eindeutig auf eine erhebliche militärische Präsenz hinweisen. Die Befestigungsmauer und die zahlreichen Kriegsgegenstände deuten darauf hin, dass die Römer so ihre Probleme mit den einheimischen Kelten gehabt haben müssen.

Im Jahre 9 unserer Zeit zerstörte ein großes Erdbeben die Gurina-Siedlung, die daraufhin aufgegeben wurde.