Der keltische Tempel auf dem Donon (Frankreich)

Der Donon (ehemals deutsch Hohe Donne) ist ein Berg in den Vogesen im Elsass im Département Bas-Rhin, Frankreich. Mit einer Höhe von 1009 m markiert der Berg in der Gemarkung der Gemeinde Grandfontaine eine der höchsten Erhebungen der Nordvogesen (der Rocher de Mutzig ist mit ebenfalls 1009 m gleich hoch).

Er sitzt als mächtiger Buntsandsteinblock auf dem Grundgestein aus Granit, welches in den Nordvogesen vielerorts freiliegt. Eine weitere regionale Besonderheit ist sein ausgeprägter Gipfel.

Am Donon entspringen die beiden Quellflüsse der Saar: die Rote Saar (Sarre Rouge) und die Weiße Saar (Sarre Blanche). Über eine Passstraße, den Col du Donon (727 m), führt eine wichtige Straßenverbindung über die Vogesen.

Der heutige Tempel auf dem Gipfel wurde im neoklassischen Stil unter Napoleon III. errichtet und ist eine freie Rekonstruktion. Auf dem Plateau des Donon befinden sich Reste keltischer und römischer Kultanlagen, die dem Gott Vosegus geweiht waren.

Vosegus, auch Vosagus, Vosacius (?), war ein keltischer Gott, der als Namensursprung der Vogesen (französisch Vosges) und des Wasgaus gilt, somit als Berggottheit. Auf einer inschriftlosen Darstellung, gefunden in Reichshoffen bei Strasbourg, die möglicherweise Vosegus darstellen soll, erscheint er in einen schweren Mantel (Sagum), mit Pfeil, Bogen und Schild, sowie begleitet von einem Hund. Dies könnte auch auf eine Jagdgottheit hindeuten.

Vosegus wurde – wie viele keltische Gottheiten – nur lokal verehrt; das Zentrum lag um den Berg Donon, auf dessen Gipfel ein Vosegustempel stand. Funktional entsprach die Gottheit etwa dem römischen Mercurius oder dem griechischen Hermes. Als die Römer Gallien besetzten, übernahmen sie die Gottheit und gaben dem Verbreitungsgebiet die Namen vosegus mons („Berg [des] Vosegus“) bzw. vosegus silva („Wald [des] Vosegus“). Aus diesen entstanden das französische Vosges und das mittelhochdeutsche Wasigen(wald); aus Wasigen entwickelte sich später der Begriff Wasgau.

Unsichere Namensdeutungen des Wortstammes *seg-os- bzw. *seq-(y)o, dt. säen erklären die teilweise Gleichsetzung des Gottes Vosegus mit Mercurius, der ursprünglich als Gott des Getreidehandels und der -ernte begann. Eine andere, ebenfalls unsichere Deutung leitet den Namen von *vo-sego ab, die große Kraft.

Vom französischen Benediktiner-Abt und Gelehrten Augustin Calmet wurde er im 19. Jahrhundert mit Bugius gleichgesetzt, ohne dass dieser dafür allerdings Belege bringen konnte.

Es existieren insgesamt fünf Inschriften mit dem Namen Vosegus, von denen drei in Frankreich und zwei in Deutschland gefunden wurden – vier davon aus der römischen Provinz Germania superior. In beiden deutschen (Neustadt an der Weinstraße und Bad Bergzabern), sowie zweien der französischen Funde (Gœrsdorf und Zinswiller) wurde Vosegus bzw. Vosego Sil (Vosegus Silvanus) als Einzelgottheit erwähnt. Die fünfte Inschrift stammt vom Donon (römische Provinz Gallia Belgica, heute im Elsass) – hier wird Vosegus zusammen mit Hekate genannt.

Die archäologischen Original-Funde werden in Museen in Épinal und Straßburg (Musée archéologique de Strasbourg) aufbewahrt. Der Berg verlor mit der Christianisierung des Landes seine kultische Bedeutung.

In den letzten Kriegen war der Donon aufgrund seiner exponierten Lage heftig umkämpft. Infolge des Krieges 1870/71 rückte die deutsch-französische Grenze nahe an den Berg heran. Im Ersten Weltkrieg war er bis 1918 von deutschen Truppen besetzt, die zahlreiche Befestigungsanlagen errichteten. Im Krieg von 1940 wurde das 43. Befestigungskorps der französischen Armee auf dem Donon eingekesselt und kapitulierte erst nach dem Waffenstillstand. Zahlreiche Soldatengräber im Bereich des Gipfels zeugen noch heute von den schweren Kämpfen.