Außergewöhnliche keltische Grabfunde bei Unlingen, Landkreis Biberach

Im Zuge des Neubaus der Umfahrung der Bundesstraße B 311 bei Unlingen (Landkreis Biberach) kamen im Sommer 2016 unerwartet mehrere gut erhaltene und außergewöhnlich ausgestattete keltische Gräber aus der Hallstattzeit (7./6. Jh. v. Chr.) zum Vorschein.

Die nachfolgende Rettungsgrabung wurde vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart durchgeführt. Einige der bei den Ausgrabungen geborgenen Grabbeigaben – darunter eine Aufsehen erregende figürliche Bronzeplastik – sind von weit überregionaler Bedeutung. Das kleine Grabhügelfeld lag am Fuße des Berges Bussen unweit des frühkeltischen Machtzentrums Heuneburg. Die Beigaben aus den Gräbern, die teilweise im Block geborgen wurden, werden zurzeit in den Restaurierungswerkstätten des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart freigelegt und dokumentiert.

„Wir haben tatsächlich mindestens drei bisher unbekannte frühkeltische Grabhügel entdeckt, von denen zwei Gräber besondere Beigaben enthielten“ sagte Landesarchäologe Prof. Dr. Dirk Krausse vom LAD „Sie stammen aus der mittleren und späten Hallstattzeit, also einem Zeitraum von etwa dem 8. bis Mitte des 5. Jh. v. Chr.“ fügte er hinzu und ergänzte: „Bislang sind aus diesem Bereich, am Fuße des Berges Bussen, in rund 11 km Entfernung der bedeutenden frühkeltischen Siedlung Heuneburg noch keine vergleichbaren Gräber bekannt geworden.“

„Das kleine Reiterfigürchen ist der bedeutendste Fund, den wir bisher hier gemacht haben.“ sagte Dr. Marcus Meyer, Archäologe am LAD und Leiter der Grabung in Unlingen. „Aufgrund der Mitfunde lässt sich das Figürchen in die Stufe Hallstatt C datieren, also etwa in den Zeitraum 8./7. Jahrhundert v. Chr. Aus dieser Zeit sind plastische Darstellungen aus frühkeltischen Fundzusammenhängen in Baden-Württemberg eine sehr große Seltenheit.“ ergänzte Dr. Meyer.

Die Herkunft der Kleinplastik ist bislang noch nicht eindeutig gesichert, da im Augenblick noch nach Parallelen gesucht wird. Aufgrund der Gestaltung dürfte es sich um eine einheimische Arbeit handeln, beeinflusst von Vorbildern aus dem Raum südlich der Alpen. Damit besitzt das Stück in jedem Fall eine überregionale Bedeutung.