800 Jahre Noricum – Vom keltischen Königreich bis in die Spätantike

Das erste Staatengebilde auf dem Gebiet des heutigen Österreich, war das keltische Königreich Noricum (Regnum Noricum). Doch wie lange wurde dieses Gebiet, in der Mitte Österreichs, Noricum genannt?

Um etwa 200 bis 180 vor unserer Zeit schlossen sich auf dem Großteil des Gebietes des heutigen Österreich mindestens 13 keltische Stämme zu einem Königreich zusammen, dem Regnum Noricum. Es war das erste Staatengebilde auf dem Gebiet des heutigen Österreich und das einzige Königreich, das die Festlandkelten jemals am Kontinent errichtet hatten.

Kurz vor der Zeitenwende, so um 15 vor unserer Zeit, annektierten die Römer (mehr oder weniger friedlich) dieses Gebiet und das keltische Königreich Noricum wurde zur römischen Provinz Noricum. Ziel war es vor allem, sich gemeinsam gegen die immer stärker vordringenden Germanenstämme zu schützen. Zunächst behielt es eine eingeschränkte Autonomie als tributpflichtiges Fürstentum, doch unter Kaiser Claudius wurde es um 40 unserer Zeit endgültig eine römische Provinz. Ab jetzt wurde die keltische Bevölkerung in Norikum teilweise romanisiert.

In den von den Römern eroberten Gebieten verschmolzen nach der Zeitenwende mit zunehmender Romanisierung keltische und römische Kulturelemente zur relativ eigenständigen gallorömischen Kultur im Westen und der norisch-pannonischen Kultur im Osten. Einzelne Elemente der keltischen Kultur lebten im norisch-pannonischen Raum allerdings bis in die Spätantike fort.

Die Spätantike bildet den letzten Abschnitt des Altertums, der zwar nicht mehr der „klassischen“ Antike angehört, aber auch noch nicht dem Mittelalter zugerechnet werden kann. Wenngleich die genaue zeitliche Abgrenzung der Spätantike in der Forschung umstritten ist, gilt als Beginn dieser Übergangsepoche meist der Regierungsantritt des römischen Kaisers Diokletian im Jahre 284 unserer Zeit. Hingegen ist das Ende der Spätantike weitgehend offen, da je nach Lehrmeinung und Forschungsinteresse verschiedene Ansätze möglich sind; die meisten diskutierten Daten liegen zwischen 476 und 641 unserer Zeit, es wurden aber auch noch spätere Zeitpunkte vorgeschlagen.

Kaiser Diokletian (284-305 unser Zeit) teilte in seiner Amtszeit die Provinz Noricum in zwei Teile: Ufer-Noricum (Noricum Ripense) umfasste das Gebiet von der Donau bis zum Alpenhauptkamm, während der Abschnitt südlich davon als Binnen-Noricum (Noricum Mediterraneum) bezeichnet wurde.

Während der römischen Besatzungszeit bildeten sich in Noricum schon die ersten kirchlichen Organisationen. So wurden zum Beispiel auf dem Boden von Binnen-Noricum die Bistümer Aguntum, Teurnia (St. Peter im Holz), Virunum (Zollfeld), Celeia (Celje / Cilli) und Poetovio (Ptuj / Pettau) gegründet. Die Grenzen der Bistümer deckten sich im allgemeinen mit den Einflussbereichen der römischen Städte. Denn das Christentum hatte zuerst in den Städten seine Anhänger gefunden. Dies führte dazu, dass später der Begriff Pagani (Landbewohner) die Bezeichnung für Heiden wurde. Denn die Landbevölkerung war nach wie vor sehr stark von der keltischen bzw. norischen Kultur geprägt.

Das Bistum Poetovo ist bereits für das Ende des 3. Jahrhunderts unserer Zeit belegt. Von hier stammt der erste kirchliche Schriftsteller von Noricum, Bischof Victorinus. Er war auch gleichzeitig der frühest überlieferte Bischof von Binnen-Noricum. Er starb unter Kaiser Diokletian im Jahre 304 unserer Zeit einen Martertod.

Mit dem Zusammenbruch des römischen Reiches im Jahre 475 unserer Zeit und dem damit verbundenen Niedergang der staatlichen Ordnung, übernahmen nun die Bischöfe vielfach die Koordination der Seelsorge und verschiedene karikative Tätigkeiten. Doch auch die Bauaufsicht über öffentliche Gebäude, die Versorgung der Bevölkerung mit Getreide und die Kontrolle der Finanzen, waren die „neuen“ Aufgabengebiete der Bischöfe. Ein Bischof konnte sogar als dux belli an der Spitze der Bürgermiliz die Verteidigung der Stadt leiten.

Die Bischöfe von Noricum, gehörten zur Metropole bzw. zum Patriarchat von Aquileia. Nach der Einwanderung der Langobarden. In Italien (568) hatte sich der Metropolit von Aquileia in die befestigte Lagungenstadt Grado begeben. Dort fand zwischen 572 und 577 eine Kirchenversammlung (Synode) statt, deren Protokoll drei Bischöfe aus Noricum unterschrieben, nämlich Johannes von Celeia, Leonianus von Teurnia und Aaron von Aguntum.

Ein letztes Mal wurden die Bischöfe von Noricum im Jahre 591 unserer Zeit in einem Brief der venetischen und rätischen Bischöfe genannt.

Anhand der schriftlichen Quellen kann man also durchaus sagen, dass das Gebiet in der Mitte des heutigen Österreich noch bis zum Ende des 6. Jahrhunderts bzw. Anfang des 7. Jahrhunderts unserer Zeit als Noricum bezeichnet wurde. Gesamt gesehen erschließt dies also einen Zeitraum von 800 Jahren, von 200 vor unserer Zeit bis etwa 600 unserer Zeit.

Doch Noricum wurde auch in den darauffolgenden Jahrhunderten nicht ganz vergessen, wie uns verschiedene Sagen berichten. Denn in den darauffolgenden Jahrhunderten entstanden einige Sagen, in denen Noricum eine Rolle spielte. Diese wären zum Beispiel:

Von der Stadt Sala am Zollfelde
Die Geister des Königreiches
Die Stadt Noris – Nürnberg
Gründungslegenden von Nürnberg
Eroberung Noricums durch Diet
Die Gründung des Klosters Kremsmünster

Doch auch in der gegenwärtigen Zeit ist Noricum in Österreich omnipräsent (allgegenwärtig). Zum Beispiel wurde in Kärnten im Jahre 1990 die „Norische Region“ gegründet. Sie setzt sich aus neun Mitgliedsgemeinden zusammen, welche im nord-östlichen Zentralraum des Bundeslandes Kärnten, an der Grenze zur Steiermark liegen.

http://www.region-kaerntenmitte.at/die-region/regionalvereine/norische-region/

Auch ein steirisches Museum trägt den Namen Noricum in sich, dass Burgmuseum Archeo Norico Deutschlandsberg. Mit über 5.000 Exponaten in acht exklusiven Ausstellungen garantiert das Burgmuseum Archeo Norico Deutschlandsberg, das im gotischen Bergfried und den daran angrenzenden ehemaligen Wohn- und Repräsentationsgebäuden der Burg Deutschlandsberg untergebracht ist, spannende Museumsstunden.

http://www.archeonorico.at/

Zudem gibt es auch noch den norischen Verlag „Nemeton Eula“, der sich mit seinen Publikationen auf Noricum spezialisiert hat.

http://nemeton-eula.org/

Speziell zu erwähnen wäre auch noch das NORICO-Magazin. Es ist das größte & umfangreichste Kelten-Magazin im deutschsprachigem Internet. – Das NORICO-Magazin beschäftigt sich hauptsächlich mit der keltischen Kultur, Geschichte, Archäologie, Mythologie und Überlieferung. Der Schwerpunkt der Berichterstattung liegt jedoch bei den “norischen Kelten”.

http://norico.naryore.eu